Die Ras'ha'Tar

 

Komm Reisender und setzte dich ans Feuer, ich werde dir von einem Feind berichten, welcher dir noch nie vorher begegnet ist. Sie nennen sich die Ras'ha'Tar und haben meine Heimat verwüstet und all jene die ich geliebt habe ermordet...

 

Einst hielt man die Ras'ha'Tar für brutale Seeräuber, die die Küstendörfer und kleineren Küstenstädte überfielen und Menschen und Material verschleppten. Nach dem Eingreifen der königlichen Truppen Britannias schien diese Gefahr gebannt, doch als beinahe neunundneunzig Jahre nach ihrem Auftauchen eine Invasion der Ras'ha'Tar auf der Nachbarinsel Eire begann, war klar, dass es sich bei den Ras'ha'Tar und ihren untoten Horden um weit mehr handelt.

 

Durch Informationen von Überlebenden und Widerstandskämpfern erfuhren wir immer mehr über die Organisation und das Wesen der Ras'ha'Tar: Die Anführer des Volkes scheinen allesamt mächtige Nekromanten und Schwarzmagier zu sein, welche sich selbst Zer'ha'Tul nennen und für die Horden wandelnder Toten verantwortlich sind, die nun Eire und Britannia heimsuchen. Man kann sie an ihren Roben und dem gemalten Auge in schwarz, rot, grün oder blau an ihrer Schläfe erkennen. Darunter liegen ebenbürtig die Gruppen der Jäger, welche Kan'ha'Rim genannt werden, und die Gruppe der Krieger, die Krat'ha'Bel.

Die Jäger sind die Sklavenhändler des Volkes und Berichte über die exzessiven Massenverstümmlungen und grausamen Morde unter den Gefangenen lassen jedem Menschen das Blut in den Adern gefrieren. Sie tragen meist leichte Rüstungen aus Leder und blauen Streifen im Gesicht, welche mit ihrer Rangerhöhung mehr werden.

Die Krieger stattdessen, scheinen für nichts als den Krieg zu leben und machen selten Gefangene, welche auch nur für ihre rituellen Opfer benutzt werden. Welcher Sinn hinter diesen Opfern steht, ist bisher noch unbekannt, allerdings reichen die Geschichten über die Art und Weise von einfacher Hinrichtung bis zur lebendigen Häutung und teilweisen Verzehrrung eines Geopferten. Ihre Erscheinung ist die vielfältigste, manche tragen mächtige erbeutete Rüstungen aus Metall, während andere nackt und nur mit Knüppeln bewaffnet in die Schlacht gehen. Ihre Bemalung ist stets in Schwarz gehalten

 

Der Ursprung der Ras'ha'Tar ist jedoch immer noch nicht bekannt, auch wenn die meisten Gelehrten ihn im hohen Norden vermuten, wo die wenigsten Schiffer bisher wieder heimkehrten und all jene, die genug Glück hatten, von „Nebelinseln“ berichteten, von welchen ein unablässiges leises Stöhnen ausging. Andere vermuten ihre Heimat irgendwo auf dem Festland oder entlang der nördlichen Küsten auf einer der vielen Inseln.

 

Nachdem die Ras'ha'Tar mittlerweile Eire besetzt hielten und die ursprüngliche Bevölkerung tot, versklavt, als Untote den Zer'ha'Tul dienen oder in die Enklaven und nach Britannia geflohen sind, richteten auch die Ras'ha'Tar ihren Blick nach Osten. Ohne Vorwarnung erschienen ihre Schiffe an der Westküste und es landeten tausende Krieger und Jäger. Auf einen derartigen Ansturm waren die Verteidiger Britannias nicht vorbereitet. Während die Krieger und Jäger zusammen mit den untoten Dienern der Zer'ha'Tul das Land verwüsten, Rohstoffe von ihren Sklaven abbauen lassen und jene armen Seelen aufspüren, welche es nicht nach Rhodehill geschafft haben; scheinen sich die Zer'ha'Tul selbst größtenteils in den Ruinen unserer Hauptstadt aufzuhalten. Welchen Grund diese Versammlung auch hat, sie kann nichts Gutes bedeuten. Nun liegt es an uns allen, diese Ausgeburten des Bösen wieder zurück ins Meer zu treiben.

 

Gott will es!!!

 

 

Der Fall von Harringoth

 

Die Burg Harringoth lag im Norden Bouldershires. Die Mauern schmiegten sich an die Nordflanke einer kleinen Gebirgskette, sodass man von der Spitze des Bergfriedes über die Weiden und Wälder hinweg bis in die Grenzgrafschaft blicken konnte. In der Burg waren die „Iron Bulls“ stationiert. Ein Verband schwer gerüsteter gräflicher Soldaten, angeführt von einem erfahrenen Ritter namens Maece. Zusammen mit seinen Männern hatte Maece die Nordgrenze Bouldershire entlang einer Strecke von über drei Tagesmärschen 14 Jahre lang frei von Räubern und anderen dunklem Gesindel gehalten. Als jedoch die Rashatar in Bouldershire einfielen, wimmelte es alsbald in den Wäldern von Kan'ha'Rim und immer mehr Flüchtlinge strömten nach Harringoth um vor den Horden Schutz zu suchen. Maece war zuversichtlich, dass seine Männer die Feste lange halten könnten, zumal seine Vorfahren tiefe Stollen in die Berge hatten treiben lassen. In diesen Stollen gab es genug Platz für Bauern, Vorräte und Vieh, besonders da die Stollen vor wenigen Jahren von einigen Zwergen ausgebessert und mit Luftschächten versehen wurden.

 

Tagebuchauszüge des Leibheilers Geraldis:

 

Frühjahr im Jahre 711

Tag 5 Seit der Invasion

Heute erreichten uns die wohl letzten überlebenden Bauern dieser Region, über vierzig ausgemergelte Gestalten aus dem letzten Dorf südlich der Grenze, die wir gleich in den Lazarettstollen gebracht haben. Maece und seine Offiziere haben beschlossen, drei Späher nach Bouldershire, Rhodehill und einem nahen Zwergenposten namens Kazak-dûr auszusenden um Hilfe, sobald sie frei wird, zu erbeten. Sie sind sich sicher, dass wir innerhalb unserer Mauern sicher sind. Außerdem haben die Soldaten damit begonnen, die Flüchtlinge unter Waffen zu stellen. Den ganzen Tag konnte man sie draußen üben hören und trotz der allgemeinen Lage, scheint die Moral gut zu sein. Ich bete dafür, dass es so bleibt.

 

Tag 12 Seit der Invasion

Wir haben seit einer Woche keine neuen Flüchtlinge bekommen. Die Moral ist weiterhin gut, besonders, da wir frisches Fleisch, Brot und Milch austeilen können. Die Männer der „Bulls“ unterziehen die Bauern weiter einem harten aber scheinbar wirkungsvollem Training. Heute hat bereits der erste Bauer, ein Junge namens Ryan, einen Soldaten im Stockkampf besiegt.

 

Tag 19 Seit der Invasion

Noch immer nichts neues von der Außenwelt. Keiner unserer Späher ist zurückgekehrt. Maece hat eine Patrouille ausgesandt, um das Umland zu erkunden. Zwölf tapfere Männer sind heute morgen aufgebrochen und wir alle schließen sie in unsere Gebete ein.

 

Tag 24 Seit der Invasion

Die Patrouille ist überfällig.

 

Tag 26 Seit der Invasion

Heute entdeckten die Wachen auf den Mauern eine Gruppe ausgemergelter Gestalten, welche sich den schmalen Pfad zum Tor der Burg hinaufbewegten. Als sicher war, dass es sich um Britannier handelte, öffnete man ihnen schnell die Tore und geleitete sie zu Maece. Nachdem sie Trank und Speiß zu sich genommen hatten und frische Kleidung am Leib trugen, begannen die sechs Männer zu erzählen. Viele Zuhörer verließen während der vierstündigen Erzählung den Saal und als sie geendet hatten, waren nur noch Maece, sein Mentor und Freund Nicarius, ich selbst und seine Offiziere und Unteroffiziere anwesend. Die Männer hatten von Tod und Leid gesprochen; wandelnden Toten, die wehrlose Frauen und Kinder mit bloßen Händen zerfleischten. Sie berichteten von den Schändungen der Frauen durch blutverschmierte Rashatar und von sinnlosen Massenmorden an Bauern. Selbst von Magiern war die Rede, welche mutige Männer verzauberten, die sich sofort gegen ihre einstigen Freunde wendeten und wie wahnsinnige Berserker alles und jeden niedermachten. Ich habe die Männer ins Lazarett geleitet und ihnen Betten zur Verfügung gestellt. Maece berät sich derweil mit seinen Offizieren in seinen Gemächern. Ich fürchte die Moral wird unter diesen scheußlichen Neuigkeiten stark leiden.

 

Tag 27 Seit der Invasion

Es wurden noch einmal fünf Boten geschickt. Das Training der Bauern wird intensiviert und die Handwerker und alle Nichtkämpfer werden in die Waffenproduktion eingebunden. Dank der durch die Stollen ermöglichte Viehhaltung und der großen Menge Vorräte, funktioniert die Versorgung weiterhin tadellos und die neuen Erkenntnisse scheinen der Stimmung innerhalb unserer Mauern nur wenig anzuhaben.

 

Tag 29 Seit der Invasion

Heute morgen klagten die ersten Bauern über Fieber und Kopfschmerzen. Ich fürchte die Neuankömmlinge haben die Seuche in unsere Festung gebracht, denn fünf von ihnen gehören zu den Erkrankten. Wir tun unser Bestes um ein Ausbreiten zu verhindern, jedoch fürchte ich, dass sich die Bauern in den Schlafstollen schnell anstecken werden.

 

Tag 30 Seit der Invasion

Heute Morgen fand sich unsere Burg von Nebel umgeben vor und kurz nach Sonnenaufgang begannen die Rashatar mit dem Angriff. Unsere Kämpfer stießen dutzende Sturmleitern herunter und schickten Pfeilhagel um Pfeilhagel in den Nebel vor der Burg. Wo immer ein Rashatar eine Leiter erklimmen konnte, standen die „Bulls“ bereit, um ihn zurück in die Tiefen zu schicken.

Als gegen Mittag der Nebel verschwand, konnten wir uns erstmals ein genaues Bild des Angriffes machen. Der Anblick ließ die Männer jubeln, da vor den Mauern hunderte Tote lagen und die Zahl der noch lebenden Rashatar nur noch wenige Hundert umfasste, während unsere Streiter über 800 Köpfe zählt. Sofort drängten einige Offiziere Maece zu einem Ausfall, er jedoch hörte auf den Rat seines alten Mentors Nicarius und blieb hinter den Mauern. Ich denke, ihm ist ebenfalls aufgefallen, dass die Zahl der Toten draußen weit über dem lag, was man hätte vorfinden dürfen. Was das genau zu bedeuten hat, kann ich noch nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich habe eine grauenhafte Vermutung.

Seit es Dunkel geworden ist, wird die Nacht von beängstigenden Geräuschen und Gestöhne durchbrochen. An dem Tor ist ein markerschütterndes Geschabe und Gekratze zu vernehmen und all dies raubt den Kämpfern den Schlaf und nicht wenigen die Fassung. Die Seuche greift weiter um sich. Zwei unserer Heiler, ein alter Mann namens William und ein junger Dorfpriester namens Corvus, sind neben weiteren Flüchtlingen erkrankt. Die ersten Infizierten beginnen Blut zu spucken und ich fürchte drei von ihnen werden diese Nacht nicht überleben.

 

Tag 31 Seit der Invasion

Heute Morgen war der Nebel wiedergekehrt und der Tod hat seine Ernte innerhalb der Mauern gehalten. Zwölf Bauern, darunter fünf der sechs letzten Flüchtlinge, waren im Laufe der Nacht an dem Fieber gestorben und viele weitere können ihr Lager nicht mehr verlassen. Wir können ihnen keine Linderung verschaffen und ich fürchte, diese Seuche ist gefährlicher als jeder Feind. Verzweiflung macht sich in den Stollen breit. Nur die „Bulls“ scheinen unbeirrt und fochten einen weiteren Tag zusammen mit den mutigeren Bauern auf den Mauern.

Ich habe mich mit Nicarius beraten und einen Leichenstollen bestimmt. Er liegt am Ende des Stollensystems und war einst ein Vorratsstollen. Die dortigen Vorräte sind jedoch bereits aufgebraucht. Außerdem ist er sehr kühl, sodass die Verwesung langsamer vonstatten gehen wird. Sobald ich Maece davon überzeugt habe, die Leichen über die Mauern zu werfen, oder im Innenhof zu verbennen, damit wir ein Übergreifen der Seuche verhindern können; werden wir diesen Stollen nicht mehr benötigen, bis dahin werde ich ihn nachts verschließen lassen. Jedoch sind Maece und Nicarius der Meinung, dies würde nur der Moral schädigen. Ich hoffe sie entscheiden sich bald zum Guten. Priester Samuel hält nun jeden Abend eine Messe um Gott um seine Beistand zu bitten. Ich beginne zu zweifeln.. Warum hilft er uns nicht?

Seit Beginn der Dunkelheit hat das Gestöhne wieder begonnen...

 

Tag 36 Seit der Invasion

In den letzten Tagen starben beinahe zweihundert Flüchtlinge, darunter auch Corvus und der alte William, an der Seuche.

Es beginnt immer gleich: Erst kommen die Kopfschmerzen und das Fieber, dann beginnen sie Blut zu spucken und kurz vor ihrem Ende schwitzen sie Blut! Ich habe noch nie eine derartige Seuche gesehen und befürchte, sie ist das Werk des Feindes...

Die Belagerung besteht weiterhin, und jeden Tag schlagen unsere heldenhaften Verteidiger die Horden zurück. Nachts hört man das grausige Schaben nun auch im versiegelten Leichenstollen und jeder ist sich sicher, dass der Tod selbst auf ihn wartet. Der Nebel ist heute nicht aufgezogen und wir blickten auf einen wahren Leichenberg herunter. Es scheint, als hätten die Rashatar jede Nacht mehr Leichen an die Mauern geschichtet, sodass der Abstand von den Zinnen zum Boden nur noch drei Meter beträgt.

Die Wachen rufen uns...

 

Tag 37 Seit der Invasion

Gestern Abend hat das Grauen unsere Festung heimgesucht!

Als sich in der Abenddämmerung normalerweise die Rashatar zurückzogen, erhoben sich mehr und mehr Kämpfer aus den Leichen heraus und wir fürchteten einen neuerlichen Ansturm. Als wir jedoch erkannten, dass viele der Toten Pfeile im Leib oder grausige Wunden besaßen, wurde uns die grauenhafte Wahrheit bewusst....

Zu spät erkannten wir, dass unser Untergang bereits besiegelt ist und bevor wir eingreifen konnten, stürmten unsere ehemaligen Mitstreiter aus dem entsiegelten Stollen und machten die wehrlosen Menschen in den Stollen und im Lazarett nieder. Als ein Teil der Kämpfer zusammen mit Maece und mir die Stollen erreichten, glichen sie mehr einem Schlachthaus als einem Bergstollen. Das Blut der Frauen und Kinder klebte an den Wänden und an der Decke. Auf dem Boden hatte sich ein kleiner Bach aus Blut und anderen Körperflüssigkeiten gebildet, welcher langsam die Stollen entlang floss. Als Maece erkannte, dass alle jene, die nicht zerfleischt worden waren, nach ihrem Tod wieder aufstehen würden, ließ er den Eingang zu den Stollen, trotz der anhaltenden Schreie der verbliebenen Überlebenden in den Stollen, verschließen. Kurz bevor die letzten Steine in den Eingang gelegt wurden, sahen wir die Gestalt des letzten Flüchtlings in einer weiten dunkelgrünen Robe durch die Massen der Untoten schreiten. Er war also ein Verräter!

Wir haben auf einen Schlag beinahe alle Vorräte und fast dreihundert Menschen verloren.

 

Als Maece auf die Mauer zurückkehrte, empfing ihn ein Anblick, welcher ihm den Verstand nahm. Vom Anblick der vielen Tausend wandelnden Toten war der Wahnsinn in Maece gefahren und Nicarius befahl, ihn in seine Gemächer zu bringen. Nur drei andere Heiler haben das Massaker überlebt und wir bereiten ein notdürftiges Lazarett im Erdgeschoss des Bergfriedes vor. Man hört Maece' wahnsinnige Schreie bis hier unten und auch das Schaben und stöhnen hat wieder begonnen.

Da Samuel und die anderen Dorfpriester im Stollen waren, haben wir niemanden mehr, der eine Messe halten kann. Deshalb beten die Männer und Frauen nun hier im Lazarett. Ich dagegen habe meinen Glauben verloren, wie kann Gott all dieses Leid zu lassen?

Dieser Ort wird unser aller Grab...

 

Tag 38 Seit der Invasion

Wohl wissend, dass nur der qualvolle Tod auf sie wartet, begehen immer mehr Bewohner Selbstmord. Nicarius gab den Befehl, jedem Leichnam innerhalb der Mauern den Kopf abzutrennen um eine Wiederkehr zu verhindern. Außerdem dürfen wir endlich die Leichname der Seuchenopfer verbrennen. Unter den Toten befand sich auch Ryan. Er hatte uns allen mit seinem Sieg über den Soldaten Mut gegeben. Seine Augen schienen immer noch voller Leben, auch wenn sich seine Haut teilweise abgelöst hatte und ihm die Haare ausgefallen waren. Die Gebete der wenigen noch Lebenden scheinen verzweifelter. Ich frage mich, wann sie sich selbst erlösen. Zur Not werde ich es übernehmen, um sie vor den Dämonen zu bewahren, die dort draußen vor den Toren lauern....

 

Tag 41 Seit der Invasion

In den letzten beiden Tagen verstarben die wenigen überlebenden Bauern auf den Mauern oder an der Seuche. Die anderen Heiler wurden in der Nacht von einem Wiederkehrer ermordet, welcher unbemerkt im Vorratskeller verstorben war. Nur noch Nicarius und 97 Männer der „Iron Bulls“ sind noch am Leben. In der Nacht verfolgen mich die Gesichter der Toten. Unsere Vorräte neigen sich dem Ende zu und ich habe Kopfschmerzen...

 

Sommer im Jahre 711

Letzter Eintrag von mir, Geraldis Blackwater.

Tag 42 Seit der Invasion

Nicarius und seine Männer waren sich einig, dass sie nicht wie all die anderen dem Fieber und Wahnsinn zum Opfer fallen wollen. Die Männer scharten sich um Nicarius im Innenhof der Burg und öffneten mit einem Gebet auf den Lippen das Tor. Ich habe mich nicht an diesem sinnlosen Gemetzel beteiligt, denn ich möchte nicht im Namen eines Gottes sterben, der uns hier hat verrecken lassen!

 

 

Ich hoffe jemand findet diese Aufzeichnungen und kann die Einwohner Britannias warnen! Wir müssen uns ergeben und um Verschonung bitten. Denn nur so werden wir überleben! Man hört bereits das Schaben an der Tür...

 

Die einstigen Verteidiger der Nordgrenze Britannias fielen an jenem Tage unter der rasenden Wut tausender Rashatar und ihrer wandelnden Toten. All dies wurde von dem Leibheiler Maece' Geraldis Blackwater niedergeschrieben, welcher tot im Turm des Bergfriedes gefunden wurde. Anscheinend hatte er nach dem Tod Nicarius' und seiner Männer Selbstmord begangen, indem er sich mit einem Versteinerungszauber belegte. Jedoch ist unklar, wie er dies ohne fremde Hilfe und ohne erkennbare magische Gegenstände bewerkstelligte. Die Ruinen Harringoths wurden 11 Tage nach dem Fall der Burg von zwergischen Truppen entsetzt. Nachdem sie nach Rhodehill durchgebrochen waren, übergaben sie dem neuen Grafen von Bouldershire die Schriften Geraldis' mit der Nachricht, dass sie nur die Überreste von achtzig enthaupteten Kämpfern im Innenhof gefunden hatten. Der Rest der Burg war vollkommen leer und verlassen, bis auf die Kammer Geraldis'.

 

Graf Hilcox von Rhodehill

Die Geschichte des Grafen Hilcox of Rhodehill hat Bedeutung für das gesamte Land und den gesamten Widerstand erlangt. Einst geächtet und verlacht, gilt er unter den seinen mittlerweile als Volksheld und Visionär.

Als einziges Kind des Grafen Malcoy of Rhodehill und seiner Gemahlin Alice hatte er von je her kein einfaches Leben, da sein Vater viele seiner gescheiterten Träume auf seinen Sohn übertrug, ihn entsprechend in vielen Bereichen ausbilden ließ und ein gestrenger Lehrer war. Der alterbedingte Tod seiner Eltern ließ den jungen Grafen einsam und führungslos zurück, da sein Vater alle Versuche Hilcox', Freundschaften zu knüpfen, stets unterbunden hatte. Es heißt in den gewisperten Legenden, dass Hilcox einmal im Mond eine ganze Nacht wachend auf dem höchsten Turm seiner Burg ausgeharrt haben soll, selbst beim schlimmsten und kältesten Wetter. Dienern zufolge nannte er dies seine "verlorene Wacht".

Seit dem Tod seiner Eltern hatten Statthalter und Freunde des Vaters die Regierungsgeschäfte geleitet und an sich gerissen, da sie den 25 Jahre alten Hilcox für unmündig erklären ließen, was dem verstörten jungen Mann wohl recht gewesen war. Doch schließlich, nachdem sich der Todestag seiner Eltern zum vierten Mal jährte, am Ende seiner "verlorenen Wacht", schien es, als ob ein seltsames und neues Feuer in den Augen des Mannes zu lodern begonnen hatte. Während einer einzigen Nacht entließ er alle Berater und Statthalter seines Vaters und jagte sie von der Burg, er warf sich den edlen Mantel seines Vaters über und ließ alle Gildenzünfte und Dorfvorsteher der Grafschaft zusammenkommen.

In einer beispiellosen Rede appellierte er an den Zusammenhalt im Angesicht einer kommenden und drohenden Gefahr aus der Dunkelheit und beschwor in entschlossenen Worten die Vision einer uneinnehmbaren Festung herauf. Seine Worte allerdings verwunderten und fielen auf wenig fruchtbaren Boden. Irritiert und verängstigt verließen die Gerufenen den Grafen, sollten alsbald jedoch weiter Zeugen seines unverrückbaren Plans werden. Die immensen finanziellen Reserven seines Vaters wurden aufgelöst und Baumeister im ganzen Land angeworben. Zwergische Festungsarchitekten und die besten Waffenschmiede des Reiches konnten sich in den nächsten Jahren eine goldene Nase verdienen. Selbst als der Stammsitz der Familie, die "Rhodehall" schon eine Festung war und über bestens gefüllt Waffenkammern verfügte, nahm die Entschlossenheit des Mannes nicht ab.

Aus dem Willen wurde Wahnsinn, aus dem Plan eine Manie.

Im Volksmund hatte Hilcox bereits jeden Respekt verloren, nur seine Peitsche und seine Versprechen brachten die Arbeiten an den Grenzburgen zu Ende, welche die Grenzen seiner Grafschaft säumten.

Während im ganzen Land Spottlieder über den paranoiden Grafen gesungen wurden, hielt er in seinen Festungen nun flüsternd Wacht, unempfindlich gegen den Spott seiner Standesgenossen.

Das Schicksal sollte ihm Recht geben und aus dem Verlachten einen Helden machen.

Als die Ras'hatar schließlich mit ihrer Invasion begannen und das Volk der Britannier nur so vor sich her scheuchten, ließ Hilcox sofort seine Grenzen öffnen und die wenigen Verbliebenen bewaffnen. Im ganzen Reich gingen die Gerüchte über eine uneinnehmbare Festung umher, eines der letzten Leuchtfeuer der Hoffnung, das Fanal des Überlebenswillens Britanniens. Und Hilcox wies niemanden ab. In seinen Festungen fanden die Gepeinigten Unterschlupf, an seinen Vorräten konnten die Ausgehungerten sich laben und an seinen Mauern prallten die Wellen der Ras'hatar ab.

Die Grafschaft Rhodehill wurde bis heute nicht eingenommen und mit blutverschmierten Schnauzen mussten die Ras'hatar sich zurückziehen, unfähig, die zur Festung umfunktionierte Grafschaft einzunehmen. Obschon beide Seiten grausige Verluste eingefahren hatten und es bestenfalls auf ein Patt hinauslief, feierten die Britannier in der Grafschaft frenetisch ihre erfolgreiche Flucht als Sieg. Und sie feierten den umsichtigen Grafen mit hunderten Liedern aus tausenden Kehlen.


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